Gedanken zum künstlerischen Konzept

Das Kulturereignis VINSCHGAU kristallin ist angelegt als wiederkehrendes internationales Kunst Symposium, an dem sechs Steinbildhauer:innen gemeinsam mit zwei skaters für gut drei Wochen im Austausch wirken. Dabei eint alle acht der professionelle Hintergrund ihres Kunstschaffens.

Die skaters übernehmen als interaktive Künstlerinnen und Künstler die flüchtige komplementäre Rolle zum dauerhaften Stein, der in Bezug zum menschlichen Zeitempfinden Ewigkeit darstellt. Für das Segment der skaters sind Literaten, Netzkünstlerinnen, Schauspieler, Tänzerinnen, Akrobaten, Musikerinnen u.a.m. zur Teilnahme geladen.
Dem Wirkungsradius der Interaktiven lässt sich kaum eine Grenze setzen. Sie sind schwerlich fassbar, weil frei und potentiell anarchistisch veranlagt. Regelwerke, sofern es solche für sie gibt, schreiben sie, wenn denn selbst. Ihr Charakter ist vielleicht am nähesten den suburbanen Skater-Szenen, die öffentliche Räume schon seit Dekaden frei bespielen und sich dabei immer wieder neu erfinden.

Bei der Entwicklung des künstlerischen Konzepts stand der zentrale Gedanke Pate, beide Genres, also die Bildhauerei sowie die interdisziplinäre Kunst der skaters, trotz ihrer Gegensätzlichkeiten gleichen Wert und gleiche Berechtigung zuzusprechen.
Gerade wegen ihren konträren ästhetischen Ausdrucksformen sind sie in der Lage, sich gegenseitig zu potenzieren – die eine durch unerschütterliche Masse und Konstanz, die andere durch Leichtigkeit, Dynamik und Flexibilität.
Im Umkehrschluss heißt dies aber auch, dass Trägheit Vergänglichem rücksichtslos entgegengestellt wird. Verschmolzen in diesem Widerspruch wird es beiden möglich, Mythen und Legenden zu schaffen, sofern wir ihnen die Zeit geben uns zu inspirieren.

Mary Zischg
Ernst-Ludwig Kolt